Mit Bibel und
Zeitung
Sonntagsblatt, 15. September 2002
Sonntagsblatt-Gespräch mit dem bisherigen Generalsekretär
der Katholischen Aktion, Michael Schaller
Was "katholisch" heiße? "Allumfassend, weltoffen", sinniert Dr. Michael Schaller, "ausgerichtet auf Gott, aber auch die Menschen in ihrer konkreten Situation und ihren Nöten nicht vergessend." Für eine Periode von fünf Jahren wurde der aus der Wirtschaft Kommende 1997 zum Generalsekretär der Katholischen Aktion Steiermark bestellt. Jetzt ist er mit 1. September wieder in die Wirtschaft zurückgekehrt und wird in einer Grazer und Wiener Firma ("cb.consult") den Bereich der Unternehmensberatung aufbauen.
Und "Aktion"? Sie habe einen tieferen Hintergrund als der "reine Aktionismus". Er setze darauf, erläutert Schaller; "überlegt und bedacht tätig zu werden". Bei der Katholischen Aktion habe er erlebt, dass Menschen "aus dem Glauben heraus gehandelt haben". Sie seien aktiv geworden, haben sich mit konkreten. Missständen nicht abgefunden, sondern gegen Ungerechtigkeiten eingesetzt. Oft haben sie auch "unspektakulär" und "nachhaltig" versucht, ihr Christsein zu leben.
"Kein Zweifel", erwidert Michael Schaller auf die Frage, ob "die Katholische Aktion katholisch ist". Die Verbindung von "Gestaltungs-auftrag und Spiritualität" in der KA sieht er im Bild getroffen, dass Christen "mit der Bibel in der einen Hand und mit der Zeitung in der anderen" handeln: Die Spannung zwischen beiden Polen bleibe, und hin und wieder werde versucht, etwa das Mitleben in der Pfarrgemeinde gegeben das Mitgestalten in der Welt auszuspielen. "Gebetskreise und religiöse Gruppen" seien eine Realität, doch die Katholische Aktion nehme "stärker die Dimension der Welt wahr".
Angesichts der "Bindungsscheu", die Katholiken heute hindere, für immer Mitglied einer Gliederung der KA zu werden, rät Schaller, nicht zu jammern, sondern zu überlegen: "Wie können wir trotz und mit dieser Situation Kirche erlebbar machen?" Viele seien bereit, mit der Kirche "einen Teil des Weges mitzugehen" und "Heimat zu erfahren". Junge Eltern etwa nehmen gerne eine Eltern-Kind-Runde des Familienreferates, einer KA-Einrichtung, an, solange ihre Kinder klein sind.
Kann man heute noch stolz sein, der KA anzugehören, lange nach der Zeit, da sie Tausende zu Massenaufmärschen zog? "Ich jedenfalls bin stolz, dass ich fünf Jahre in der KA den Weg dieser wichtigsten laienapostolischen Organisation mitgestalten durfte", bekräftigt Schaller. Er habe es überhaupt nicht bereut, als "Quereinsteiger", als Techniker und Wirtschaftsingenieur mit internationaler Erfahrung zur Arbeit in der KA Ja gesagt zu haben.
Den "Dialog für Osterreich" nennt Schaller als Höhepunkt. Doch mit diesem "Aufbruch" hängen für ihn persönlich auch "die großen Fragezeichen der letzten fünf Jahre" zusammen.In einer "Pattsituation" in einer der größten Krisen der katholischen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg, haben Menschen viel Enthusiasmus in den "Dialog" gesteckt. Unter "enormen persönlichen Mühen" haben ihn Bischof Johann Weber und Mitstreiter "in Gang gesetzt". Den Delegiertentag in Salzburg haben viele "als Wirken des Heiligen Geistes erlebt". Die Kirche sei wieder "in Fahrt gekommen". Doch die Begeisterung sei "viel zu schnell abgeflaut".
Wozu braucht es die Katholische Aktion, haben charismatische und andere Erneuerungsbewegungen nicht stärkeren Zulauf? Schaller zitiert "mit Freude" ein Wort von Altbischof Weber, der die Kirche mit einem Feld verglich, auf dem viele Blumen und Pflanzen den Reichtum der Schöpfung Gottes abbilden. Erneuerungsbewegungen stellen durch ihre unterschiedliche Spiritualität die" volle Breite" des Katholischseins dar.
Das Besondere der KA sei ihre offizielle Beglaubigung, ihr "offizieller Verkündigungsauftrag". Zu diesem Grundauftrag gehöre das Hineinwirken in die Gesellschaft. Schaller, auch Koordinator der Initiative 'Land der Menschen" gegen eine fremdenfeindliche Stimmung, präzisiert: "Eine KA, der egal ist, wie mit Randgruppen und Schwachen umgegangen wird, hätte, keine Berechtigung mehr, sich KA zu nennen."
Zum "kirchlichen Arbeitsstil" merkt der Ingenieur an, viele Mitarbeitende seien "mit sehr viel Engagement und Professionalität am Werk", auch als "Durchlauferhitzer" für eine begrenzte Zeit. Doch er habe auch gespürt, dass "Leute zu schnell resignieren". Sie empfinden ihren Glauben nicht als etwas, "das sie herzeigen können". Christen in Lateinamerika dagegen machen die "befreiende Kraft des Evallgeliums" greifbar.
Im RückblicK auf fünf Jahre als Generalsekretär vergisst Dr. Schaller auch nicht seine kirchliche Hochzeit heuer am 27. April: Dr. Gertraud Pressler hatte sich als Assistentin des KA-Generalsekretärs beworben, aber DIESE Stelle an der Seife von Michael Schaller, weil sie zu der Zeit in Wien unab-kömmlich war, nicht angenommen ... Johann A. Bauer
sustainable - Agentur für Nachhaltigkeit
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Dr. Michael Schaller, Unternehmensberater