Mit einem Passivhaus bekommen Sie ein Gratishaus!
|
DI Erwin Kaltenegger ist ein Pionier der Passivhausweise, der für seine Projekte zweimal mit dem österreichischen und einmal mit dem europäischen Solarpreis ausgezeichnet wurde. Das Projekt "Tanno meets Gemini" erhielt den EU-Innovationspreis der Regionen und den Sonderpreis Holzbau der Wirtschaftsinitiative WIN. Kaltenegger ist Mitglied der IG Passivhaus und Thermenkoordinator für energieoptimiertes Bauen in der Energieregion Oststeiermark. Mit der oststeirischen Industriestadt Weiz verbindet man Energie. Waren es über Jahrzehnte die Elinwerke, in denen bis zum heutigen Tag Generationen erzeugt werden, so hat sich Weiz gemeinsam mit der nahegelegenen Stadt Gleisdorf zu einem Zentrum der Solarenergie entwickelt. Die Anfänge gehen auf eine Gruppe zurück, die als Pioniere in einem Verein begonnen hat, Solarkollektoren zu bauen und damit Warmwasser zu erzeugen. Dem folgte vor einigen Jahren die Ausrichtung der Landesausstellung Energie und die Proklamation der Energieregion Oststeiermark. Es sind viele Akteure, die in dieser Region tätig sind und Wege in eine energieautarke Zukunft weisen. Ein Pionier der Solararchitektur ist der Architekt DI Erwin Kaltenegger, Entwickler des Geminihauses, einem high-tech-Plus-Energie-Haus. Mit dem Geminihaus sollte als Demonstrationsobjekt gezeigt werden, dass es möglich ist, mit einem Haus mehr Energie zu erzeugen als man verbraucht. Das Wohnobjekt „Tanno meets Gemini“, in dem Kaltenegger selbst seit einigen Jahren wohnt, ist der Beweis dafür, dass dies auch zu vernünftigen Kosten serienreif realisiert werden kann. Wenn Kaltenegger an die Anfänge denkt, dann blickt er fast auf einen Leidensweg zurück: „Das Gemini-Haus war ein Schlüsselbauwerk für mich. Ich habe mit der Planung im Jahr 1994 begonnen und nach sieben Jahren, die fast ein Leidensweg waren, wurde das Haus letztendlich in Weiz eröffnet. Dieses Hightech-Haus wurde mit einem großen Planungsteam entwickelt, wir haben sehr viel dabei gelernt und sind schlussendlich sehr stolz, dass dieses Haus noch immer tadellos funktioniert.“ Wenn man das Gemini-Haus studiert, dann mutet es ein wenig wie ein Haus aus einer anderen Welt an. Es dreht sich um die eigene Achse, hat große Photovoltaikpaneele an den Wänden und am Dach und ist allein durch seine runde Form und die verwendeten Materialien schon spektakulär. Ganz anders ist es beim „Tanno meets Gemini“ Haus, das sich aufs erste nur durch die Photovoltaikpaneele von einem modernen Haus unterscheidet. Blickt man unter die Oberfläche, dann kann man auch hier erkennen, dass intelligent und zukunftsweisend gebaut wurde. Das Gebäude ist ein Passivhaus, bei dem sehr viele nachwachsende Rohstoffe verwendet wurden. Für die Konstruktionselemente wurde Tanne aus der Region verwendet, gedämmt wird mit Zellulose aus aufbereitetem Zeitungspapier. Damit können Dämmwerte erreicht werden, die drei bis fünfmal so gut sind wie bei normalen Häusern. Die Fenster sind dreifach verglast und die Gebäudehülle ist extrem luftdicht (bei konventionellen Häusern erfolgen bis zu 30 % des Energieverlustes über Undichtheiten). Im ganzen Gebäude findet man keinen einzigen Heizkörper, die Heizung erfolgt über eine Wärmepumpe und einen gezielten Luftaustausch. Diese Form der gezielten Belüftung unterscheidet das Passivhaus von einem Niedrigenergiehaus, erläutert Kaltenegger: „Passivhäuser sind ganz gleich bewohnbar wie jedes andere Haus, sie haben aber einen höheren Komfort. Der Unterschied zu einem Niedrig- oder Niedrigstenergiehaus ist, dass auch dieses sehr gut gedämmt und sehr dicht ist, aber keine Komfortlüftungsanlage besitzt. Das bedeutet, dass sie in Niedrigstenergiehäusern zwar sehr wenig Energieverbrauch haben, im Prinzip aber auch die schlechteste Luft aller Wohngebäude.“ Durch die energiesparende Auslegung und die Photovoltaikanlage am Dach wurde aus dem Passivhaus ein Plusenergiehaus, wie Kaltenegger weiter ausführt: „Ein Plus-Energiehaus ist ein Haus, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Dabei gibt es zwei wichtige Parameter. Zum einen muss ich darauf achten, dass das Haus so wenig Energie wie möglich verbraucht. Zum anderen erzeugen wir auf dem Dach mittels Photovoltaik Strom aus dem Sonnenlicht.“ Wie gut ausgelegt das Haus ist, erläutert Kaltenegger an einer „Panne“, die im Winter passierte: „Ich spreche bei Passivhäusern immer von „gutmütigen“ Häusern. Ich habe das im Winter erlebt, wo uns durch den falschen Anschluss eines Elektrikers quasi vierzehn Tage lang die Heizenergie fehlte - wir sind erst nach vierzehn Tagen draufgekommen. Das Herz dieser Anlage ist ein Kompaktgerät, das einen Luftwärmetauscher enthält, eine kleine Wärmpumpe und den Warmwasserboiler. Dieses Kompaktgerät ist das Herz des Hauses, es ist zwar wichtig aber technisch nicht hochstehend.“ Mit den Photovoltaikpaneelen auf dem Dach wird der Strom erzeugt, der für die gesamten elektrischen Verbraucher benötigt wird, also auch für Kochen, Licht etc. Auch wenn in der Zwischenzeit alles logisch und einleuchtend erscheint, zu Beginn war es anders, wie Kaltenegger erzählt: „Man muss bei diesem Thema schon sehr viele Emotionen mitbringen, denn vor zehn bis fünfzehn Jahren war man mit diesem Thema natürlich noch ein Pionier und man wurde belächelt. Mittlerweile können wir auf eine große Erfahrung zurückblicken, wir haben schon sehr viel gebaut und das hilft uns in der Argumentation.“ Die hohe Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner, vor allem aber die niedrigen Heizkosten sprechen für sich. Bei den zuletzt errichteten Gebäuden, die nun eineinhalb Jahre in Betrieb sind, bewegen sich die Heizkosten zwischen € 95,-- und € 300,-- pro Jahr – ein Betrag, der für ein herkömmliches Gebäude pro Monat benötigt wird. Als Themenkoordinator für energieoptimiertes Bauen in der Energieregion Oststeiermark befasst er sich aber nicht nur mit Neubauten, sondern auch mit der Sanierung von Altbauten. Er hat bereits ein paar Projekte realisiert, das jüngste Projekt ist das Bezirkspensionistenheim in Weiz, ein Haus mit über hundert Betten. Durch entsprechende Maßnahmen konnte eine Energieeinsparung von 85% erreicht werden. Die Frage, ob solche Maßnahmen wirtschaftlich sind, beantwortet er mit plausiblen Zahlen. „Wir haben eine Studie gemacht und dabei ermittelt, dass sich diese Investitionen innerhalb von ca. 17 Jahren allein durch die Energieeinsparung rechnet. Dabei sind wir von einer moderaten Steigerung der Energiepreise um 4 Prozent pro Jahr ausgegangen. Die Erfahrung des letzten Jahrzehntes hat aber gezeigt, dass die Preissteigerungen höher waren – damit amortisieren sich auch die Kosten schneller.“ Aber es sind nicht nur wirtschaftliche Kriterien, die für Kaltenegger zählen: „Das Passivhaus ist auch das Haus mit dem höchsten Wohnkomfort, die Luftgüte habe ich schon angesprochen, aber auch die Behaglichkeit ist so hoch, dass es zur Zeit die beste Wohnform ist.“ Während bei einem Neubau alle baulichen Maßnahmen von Anfang an geplant werden können, ist dies bei der Sanierung eines Altbaus komplexer. Die Gebäudehülle muss so gut wie möglich gedämmt und abgedichtet werden, danach müssen auch die entsprechenden Lüftungsanlagen eingebaut werden. Dabei gibt es Einzelraumgeräte oder wie beim herkömmlichen Passivhaus Geräte, bei denen man Luftleitungen benötigt. Das größte Problem stellen die Übergänge der Wände zur Erde dar. Diese sind schwer zugänglich und auch nur sehr schwer zu dämmen. Dass sich die Passivhaus-Bauweise aber auf jeden Fall auszahlt, bringt Kaltenegger auf den Punkt: „In einem Passivhaus wohnen sie quasi in einem Gratishaus, das sich ab dem ersten Tag rechnet!“ Während die Errichtungskosten um 5 bis 7% höher sind als bei einem herkömmlichen Gebäude, ist die Wirtschaftlichkeit über die Lebenszykluskosten ab dem ersten Tag gegeben. „Betrachten wir die Lebenszykluskosten bei einem herkömmlichen Haus, so wissen wir, dass nur 20% der gesamten Kosten für die Errichtung, Planung und Entsorgung des Hauses notwendig sind, 80% der Gesamtkosten sind Folgekosten, die sich wiederum je zur Hälfte in Erhaltungskosten und Energiekosten aufteilen. Bei einem normalen Haus, das beispielsweise 1 Mio. Euro kostet, fallen in der Zeit des Lebens allein 2,7 Mio. € an Energiekosten an. Wir haben dieses Beispiel weiter gerechnet. Wenn ich von den Energiekosten nur 40 % einspare, dann erspare ich mir im Laufe des Lebens 15 % der Gesamtkosten, das heißt, ich bekomme quasi ein Gratishaus!“ Auf die Frage der Nachhaltigkeit angesprochen, gibt Kaltenegger eine persönliche Definition ab: „Ich weiß, dass die Sonne ca. 15.000 mal mehr Energie auf die Erde strahlt, als wir verbrauchen können. Das ist für mich eine große Form der Nachhaltigkeit. Ich brauch nicht in die Erde zu bohren, um das eingelagerte CO2 heraus zu holen und die Luft zu verpesten, sondern wir haben genug Energie. Wir müssen die Energie nicht sparen, sondern wir müssen sie nur vernünftig verwenden.“ Die Nachhaltigkeit im Bauwesen sieht er tiefgreifender: „Für mich ist das einfach ein gefühlvoller Umgang mit den Ressourcen. Das heißt, dass ich bei der Auswahl der Baumaterialien schon schaue, wie sich das später einmal beim Rückbau oder beim Abbruch des Gebäudes auswirkt. Kann ich diese Materialien wieder verwenden oder muss ich sie zum Sondermüll geben. Andererseits ist es auch so, dass man sich bei den Materialien anschaut, wie viel Energie benötigt wird, um diese Materialien überhaupt zu erzeugen. Dadurch kommt man zu einer Bauweise, die eben mehr oder weniger nachhaltig ist. Gemeinsam mit Joanneum Research haben wir Gebäude auf ihre Treibhausgasauswirkungen untersucht. Eine Aussage, die man sich merken kann, ist die: wenn ein Gebäude einen Keller aus Beton hat, dann ist der ökologische Effekt oder die Nachhaltigkeit ganz weit in die Ferne gerückt. Bei der Erzeugung von Beton - sprich Zement - wird viel Energie verbraucht. Gebäude mit Keller kommen bei der Treibhausgasemission sehr schlecht weg.“ DI Erwin Kaltenegger ist ein Pionier des Passivbaus. Er hat bisher zweimal den österreichischen und einmal den europäischen Solarpreis erhalten. „Tanno meets Gemini“ wurde mit dem Innovationspreis der Regionen von der EU in Brüssel ausgezeichnet und vor kurzem erhielt er den Sonderpreis Holzbau der Wirtschaftsinitiative WIN. Diese Preise sind hilfreich: „Mit diesen Preisen ist eine gewisse Form der Öffentlichkeit verbunden und wir merken, dass wir und unsere Arbeit auf diese Weise gewürdigt werden. Damit nehmen uns auch andere Entscheidungsträger ernster. Früher konnte ich mit dem, was ich sagte, kaum jemanden überzeugen. Wenn ich das heute sage, dann glauben es die Leute einfach mehr!“ |
Links: |
Proponenten der Nachhaltigkeit | Nachhaltigkeit | Umwelt | Entwicklungszusammenarbeit | Moderation | Schulung
Home | Leitbild | Referenzen | Curriculum | Presse | Vorträge & Artikel | Literatur | Links